Serie | Führungskräfte-entwicklung

K.E.F.F.E. – Weichenstellung für die Auswahl der richtigen Mitarbeiter

21. März 2018

Im folgenden Teilartikel können Sie lesen, welche Fehler bei der Bewerberauswahl häufig gemacht werden und wie Sie diese durch „K.E.F.F.E“ vermeiden können. Des Weiteren erfahren Sie, wie der Profisport bei der Auswahl seiner Teammitglieder agiert und was „K.E.F.F.E“ dabei für eine Rolle spielt.

„K.E.F.F.E.“ im Recruiting

Wie sehen Stellenanzeigen üblicherweise aus? Welche Inhalte finden Sie darin? Wir haben Ihnen eine solche Ausschreibung beigefügt, die exemplarisch für die meisten stehen.

 

Auf Basis der Stellenanzeige findet das Vorstellungsgespräch statt.

Welche Fragen werden den Bewerbern dabei am häufigsten gestellt? Was wissen Personaler nach der Recruitingphase über den potentiellen Mitarbeiter?

In vielen Unternehmen reduziert sich das Auswahlgespräch auf das Abfragen von „K.E.F.“:

Es werden die Kenntnisse des Bewerbers erfasst. Seine Computerkenntnisse, seine Ausbildung, seine schulischen Noten, sein abgeschlossenes Studium. Selbstverständlich wird auch seine Erfahrung beleuchtet. Hat er derartige Situationen schon einmal erlebt, schon einmal gemeistert? Wie lange arbeitet er bereits in der Branche? Relevante Fertigkeiten werden häufig in Assessment-Centern auf die Probe gestellt.

Nach diesem Prozess glauben wir einschätzen zu können, ob der Bewerber in der Lage ist, seine Aufgaben in unserem Unternehmen zu erfüllen. Dabei wird jedoch primär der „Grad der Erfüllbarkeit“ abgeprüft. Ein vermeintlicher Nachteil für junge Menschen: Häufig beklagen Absolventen nach dem Studium, dass der häufigste Ablehnungsgrund im Bewerbungsprozess die fehlende Erfahrung sei.

Wie steht es jedoch darüber hinaus um den „Wert der Aufgabe“?: Welche Einstellung besitzt der Bewerber? Welche Werte vertritt er? Was ist seine Motivation, was sind seine Motive? Was treibt ihn bei seiner Arbeit an?

Man könnte sagen, die Frage, ob der Bewerber das entsprechende Talent oder Potential hat, die ausgeschriebene Position auszufüllen, wird im Vorstellungsgespräch sehr stark beleuchtet. Ob er jedoch den entsprechenden Willen und die Einstellung mitbringt, dies auch zu tun, leider eher weniger. Unternehmen fällt es erfahrungsgemäß aktuell noch sehr schwer „F.E.“ abzufragen.

In unseren Trainings erleben wir immer wieder, dass Teilnehmer an dieser Stelle oberflächlich agieren und lediglich versuchen, „F.E.“ zu interpretieren. „Mir ist es auch wichtig, dass das Unternehmen wächst.“ Ein Standardsatz bei dem viele bereits denken, dass der Bewerber die richtige Einstellung vertritt. Dieser ist jedoch auf das Gespräch vorbereitet und in vielen Bewerbertrainings werden Antworten auf entsprechende Fragen einstudiert. Ein Anhaltspunkt für „F.E.“ ist dies also mitnichten und so weiß man noch immer sehr wenig über die Motive und den Willen des Bewerbers.

Das ist jedoch sehr schade, da „K.E.F.“ trainiert werden kann: Kenntnisse lassen sich vermitteln, Erfahrung lässt sich sammeln und Fertigkeiten lassen sich trainieren. Deutlich schwieriger gestaltet sich dies mit der Einstellung und dem Willen.

Viele Firmen haben dies mittlerweile erkannt und führen Persönlichkeitstest mit Bewerbern durch. Der von uns entwickelte Bewerbercheck gibt Unternehmen wertvolle Antworten zu „K.E.F.F.E.“. Den größten Wert haben wir dabei auf die letzten beiden Bereiche gelegt, um Motive und Einstellung des Bewerbers zu erfahren. Dies ist für beide Seiten wesentlich. So erhält das Unternehmen die Gelegenheit zu prüfen, ob der Bewerber zu ihm passt, ob er die Einstellung und den Willen mitbringt und sich seine Motive mit den eigenen matchen. Gleichzeitig gibt es umgekehrt auch dem Bewerber die Gelegenheit der Reflexion. Hat dieser ebenfalls das Gefühl, dass seine Motive zum Unternehmen passen, wird er eine hohe Bereitschaft mitbringen zu lernen und sein Potential abzurufen.

Welche Rolle „K.E.F.F.E“ im Profisport spielt

Der Profisport tut sich mit dem ersten Bereich sehr leicht. Es gibt riesige Datenbanken, in denen sämtliche Statistiken über die Spieler vorliegen. Welche Fertigkeiten ein Spieler besitzt, über welche Erfahrung er verfügt, wie viele Spiele, Einsätze, Saisons, Minuten er absolviert hat, ist für jeden ersichtlich. Die Leistungsfähigkeit des Spielers kann zudem live beobachtet werden, weil diese in Echtzeit zu beobachten ist.

Daher ist „K.E.F.F.E.“ im Profisport vor allem auf die letzten beiden Buchstaben ausgelegt. Man investiert viel Zeit, um zu prüfen, ob der Spieler charakterlich zum Verein, ins Team passt. Hier wird Rücksprache mit vorherigen Trainern, Mitspielern und Wegbegleitern gehalten. „Wie verhält sich der Spieler in der Kabine? Wie war er in die Mannschaft integriert? Welchen Beitrag hat er eingebracht? Wie war sein Verhalten gegenüber Trainern, Mitspielern, Mitarbeitern des Klubs oder der Fans?“ u.v.m. Der Spieler wird mit seiner Familie eingeladen. Die Gespräche gehen primär um seine Rolle im Team, um seine Bereitschaft, diese anzunehmen. Brose Bamberg hat jahrelang ein herausragendes Scouting betrieben. Dabei hat man es geschafft, vor allem Spieler zu verpflichten, die eine tadellose Einstellung an den Tag legten und daher unheimlich schnell als Team zusammengewachsen sind. Das waren Spieler, die teilweise noch gar nicht so viel Erfahrung hatten, aber den Willen, sich weiterzuentwickeln und zu verbessern. Heute spielt z. B. ein Daniel Theis in der NBA, der besten Basketball-Liga der Welt, oder ein Nicolo Melli beim Euroleague-Sieger in Istanbul. Wie wichtig „K.E.F.F.E.“ ist, sieht man in dieser Saison ebenfalls bei Brose Bamberg, jedoch auf negative Weise. Man ist von seiner erfolgreichen Linie abgerückt und hat bei den Spielerverpflichtungen mehr auf große Namen geachtet, während Einstellung und Persönlichkeit zu wenig beleuchtet wurden. Bereits nach wenigen Wochen hatte man sich dann wieder vom vermeintlichen Star getrennt, da, obwohl das Talent vorhanden ist, die Einstellung überhaupt nicht stimmte. Die ganze Saison tut man sich hier schon schwer und man merkt große Unterschiede in der Teamchemie.

Wie Sie „K.E.F.F.E“ für Verbesserungen nutzen und warum vor allem Führungskräfte davon profitieren können, erfahren Sie im nächsten Teilartikel.

Thomas Heidenreich

Vorstandsvorsitzender