Werte schaffen Wert – Homogene Werte bei zunehmender Diversität

13. März 2021

Bereits in den letzten Artikeln haben wir immer wieder von der Bedeutung der Orientierung für Mitarbeiter gesprochen, die auch und vor allem in Krisenzeiten sehr wichtig ist. Eine zentrale Aufgabe für diese Orientierung, und zwar sowohl im Inneren des Unternehmens, als auch im Außenverhältnis, übernehmen die Unternehmenswerte.

Vereinfacht formuliert, sind Werte Eigenschaften, die uns wichtig und WERTvoll sind, und/oder Ideale, die für uns erstrebenswert sind bzw. nach denen wir handeln. Es sind Glaubenssätze, nach denen wir leben wollen. Die Werte können immer nur eine subjektive Betrachtung darstellen. Deshalb spricht man auch von Wertvorstellungen. Auf Basis dieser Wertvorstellungen beWERTEN wir auch Personen bzw. Situationen. Man kann auch sagen, dass Werte der kleinste gemeinsame Nenner sind, die unser Zusammenleben regeln. Auf Ihr Unternehmen bezogen können Sie Werte als Leitplanken sehen, als einen Leuchtturm, der Ihren Mitarbeitern, aber auch Partnern und Kunden zeigt, für was Sie als Unternehmen einstehen. Das erzeugt Verlässlichkeit und Vertrauen.

Ihre Werte sorgen bei den Mitarbeitern für Identifikation und Loyalität. Während der Sinn der Arbeit, der Zweck der Unternehmensexistenz z. B. bei zwei Sparkassen identisch sein kann, so können sich beide in ihren Werten jedoch unterscheiden. Wie ein Unternehmen seine Vision, seinen Unternehmenszweck erfüllt, wird in den Werten manifestiert. Es hilft Ihnen, auch in Krisenzeiten, in unruhigen, unsicheren Situationen sich bei Ihren Verhaltensweisen, Handlungen und Entscheidungen an Ihren Werten orientieren zu können.

Unternehmenswerte sind also Eigenschaften, die Ihnen als Firma wichtig und wertvoll sind. Es sind Ideale, nach denen Sie und Ihre Mitarbeiter streben und nach welchen Sie Ihre Handlung auslegen. Gerade in Zeiten, in denen Entscheidungen kaum mehr eindeutig zu treffen sind, geben Ihnen die Werte eine Entscheidungs- und auch Handlungsorientierung. Im Innenverhältnis sind es Ihre Verhaltensmaßstäbe, aus welchen Spielregeln und ein Kodex abgeleitet werden kann.

Gerade Krisen zeigen auf, wie es um die Werte in Organisationen bestellt ist. Fahren die Mitarbeiter die Ellbogen aus, um möglichst unbeschadet aus der Krise zu kommen, ganz egal, wie es den Kollegen dabei ergeht oder verbindet man sich miteinander und versucht gemeinsam Lösungen zu finden? Trennt die Krise Mitarbeiter, Teams und Organisationen oder vereint sie diese?

Neben der Orientierungsfunktion, die Werte sowohl im Innen- wie Außenverhältnis einnehmen, wirken sie ebenso als Integrationsfunktion. Denn in wertezentrierten Kulturen fühlen sich Menschen durch die gleichen Werte miteinander verbunden. Man gehört dazu. Und das macht nicht die Symbolik aus, also das schöne Plakat, dass in den Eingangshallen von Unternehmen hängt und ihre Werte beschreibt, sondern das Verhalten im Alltag. Im Sport lesen Sie häufiger mal den Spruch: „In den Farben getrennt, jedoch in der Sache vereint.“ Es gibt also etwas, was den Menschen mehr bedeutet als Folklore oder Symbolik, nämlich den Sinn. Und dieser Sinn, diese Frage nach dem „warum will ich meine Arbeitskraft dem Unternehmen X zur Verfügung stellen“ lässt sich über die Werte beantworten.

Werte implementieren

Damit es nicht bei Symbolik bleibt ist es wichtig den Mitarbeitern genau zu erklären, was die Werte bedeuten. Heute stehen auf den Webseiten der Firmen und in den Eingangsbereichen die Werte fast ausschließlich als Schlagwörter. Es handelt sich um Buzzwords, wie „Respekt“, „Fairplay“, „Innovation“, „Kundenorientierung“ usw. Was mit Respekt jedoch genau gemeint ist, wie Respekt im Unternehmen aussieht, welche Erwartungen daran geknüpft sind und wie alle davon profitieren, wird selten erläutert. An diesem fehlenden gleichen Verständnis scheitert es schließlich auch häufig, weshalb die Werte nicht gelebt werden und damit wertlos bleiben.

Die sanosense-Werte-Leiter

Damit Ihre Unternehmenswerte wertvoll bleiben und gelebt werden, haben wir einen fundierten, wirksamen Prozess entwickelt, der Unternehmen dabei unterstützt, die Werte so in die Belegschaft zu tragen, dass diese auch lebendig werden.

Homogene Werte können nur gelebt werden, wenn die Mitarbeiter und das Management das gleiche, ein einheitliches Verständnis zu den Werten haben. Wir erläutern die Bedeutung dieses ersten Schrittes der sanosense-Werte-Leiter häufig an einem anfassbaren Beispiel: Auf dem Dorf gibt es einen Fußballverein, der in einer der untersten Ligen spielt. Am Sonntag stehen meistens 18 Spieler zur Verfügung, von denen jedoch nur 11 von Anfang spielen können und fünf weitere sich auf die Bank setzen können. Nach welchen Kriterien soll jetzt ausgewählt werden. Die Mannschaft entscheidet, dass „Fairplay“ das Kriterium dafür sein soll, welche 16 von den 18 Spielern denn berücksichtigt werden. „Fairplay“ stellt damit den Wert dar, den Unternehmen beispielsweise entwickelt haben. Wenn jetzt das gleiche passiert, wie in Organisationen, nämlich Fairplay auf ein Plakat zu schreiben, ohne darüber zu sprechen, passiert folgendes: Der erste Spieler denkt sich, Fairplay bedeutet, dass ich immer spiele, denn ich bin der beste Fußballer bei uns. Der zweite Spieler glaubt, Fairplay sei jetzt für ihn die Grundlage zu spielen, denn er sei schließlich bei jedem einzelnen Training, während andere schon häufiger mal fehlen. Der nächste ist überzeugt, dass er Berücksichtigung finden wird, denn letztendlich fährt am Wochenende extra den weiten Weg in die Heimat, obwohl er unter der Woche beruflich in München arbeitet, nur um der Mannschaft zu helfen. Da ist es ja klar, dass er dann auch spielen darf. Alles andere wäre ja wohl kaum Fairplay. Und wiederum der nächste Spieler ist sich sicher, dass er spielen wird, weil er im Verein die Buchhaltung übernimmt und es nur fair wäre, wenn sein Zeitinvest dafür auch belohnt wird. Obwohl die Mannschaft sich mit Fairplay einen Wert gegeben hat, ist jeder unzufrieden.

Aus diesem Grund ist es wichtig, mit den Mitarbeitern die Bedeutung und auch die Nichtbedeutung der Werte genauer zu definieren. Vor allem die Frage, was bedeutet der Wert für uns auch nicht bzw. wo ziehen wir eine Grenze ist entscheidend für die Akzeptanz der Mitarbeiter.

Wenn ein gemeinsames Verständnis für die Werte geschaffen wurde, gilt es zu klären, was uns dann noch daran hindert, die Werte zu leben. Es geht um die Frage, ob die derzeitigen (Rahmen-) Bedingungen das Leben der Werte ermöglichen oder ob und welche Hürden dazu noch im Wege stehen. Wenn sich ein Unternehmen z. B. „Innovation“ auf die Fahne geschrieben hat und diesen Wert in die Belegschaft transportieren möchte, gleichzeitig die Mitarbeiter jedoch bei jedem Fehler heute angebrüllt werden, passen die Bedingungen dazu noch nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter den Wert überhaupt nicht leben können, weil diese zu viel Angst davor haben, was falsch zu machen und die negativen Konsequenzen daraus fürchten, ist sehr groß.

Bereits bei der Klärung der Bedeutung der Werte ist es sinnvoll mit den Mitarbeitern die Vorteile und den Nutzen der Werte zu klären. Wo profitieren Mitarbeiter, Teams, das Unternehmen und die Kunden, wenn die Werte durchgängig gelebt werden? Welcher Nutzen entsteht dadurch für die verschiedenen Stakeholder? Wie wichtig ist es den Mitarbeitern, in einer derartigen Arbeitsumgebung beschäftigt zu sein?

Häufig ist dieser Schritt, wenn ein einheitliches Verständnis geschaffen werden konnte und die Mitarbeiter spüren, dass die Bedingungen bereits vorhanden sind bzw. die Bereitschaft vorhanden ist, diese Bedingungen so zu verbessern, dass die Werte gelebt werden können, der einfachste auf der Werte-Leiter.

Die nächste Sprosse der sanosense-Werte-Leiter ist eine ganz Entscheidende. Häufig wird dieser Schritt in Unternehmen nicht gegangen. Man geht davon aus, dass es ausreicht, die Werte zu kommunizieren und das sie dann schon gelebt werden. In der Praxis passiert dann häufig jedoch nichts. Jeder wartet und erwartet, dass der andere die Werte lebt, man selbst jedoch keinen eigenen Beitrag dazu leisten muss.

Die Mitarbeiter sollten verstehen, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann und muss, damit die Werte wertvoll bleiben und die Kultur Einzug halten kann, für die man sich ganz bewusst entschieden hat. Das Leben und Einhalten der Werte sollte daher ein Versprechen sein, dass sich Mitarbeiter in allen Teams gegenseitig geben. Den Mitarbeitern sollte klar sein, dass sie für-, mit- und zueinander ebenfalls eine Verantwortung tragen. Wir empfehlen Unternehmen daher diesen Schritt konsequent zu gehen. Eine gemeinsame Vereinbarung schafft Verbindlichkeit, eine Unterschrift der Mitarbeiter auf ein gemeinsames Werte-Plakat oder einen gemeinsamen Werte-Vertrag stärkt die Verpflichtung füreinander. Es lohnt sich diese Vereinbarung im Team sichtbar zu machen, da es das Leben der Werte vereinfacht. Wenn Mitarbeiter die Werte immer wieder sehen können, so steigt auch der Mut, Fehlverhalten aktiv anzusprechen, weil sich Kollegen trauen auf die Werte und die gemeinsame Vereinbarung zu verweisen.

Am Ende der Leiter steht das Leben und Verteidigen der Werte. Selbstverständlich gilt es als Führungsperson Vorbild zu sein, die Werte vorzuleben und immer wieder einzufordern. Gleichzeitig liegt es an jedem einzelnen Mitarbeiter, die Werte mit Leben auszufüllen. Wir plädieren dafür, dass die Selbstverpflichtung und Selbstregulation in Teams gestärkt werden. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, Fehlverhalten zu erkennen und offen, direkt mit dem Beteiligten anzusprechen. Es nicht zu tun, würde bedeuten, dass es Ihnen nicht gelingen kann, die Kultur, die Werte zum Leben zu erwecken, für die Sie sich bewusst entschieden haben. Eine Entscheidung für etwas zu treffen bedeutet auch, das Verhalten, welches Sie nicht tolerieren und haben wollen, anzusprechen und abzustellen. Andernfalls verlieren Ihre Werte an Glaubwürdigkeit und damit auch an Wert.

Auf diesem Wege unterstützen und begleiten wir Unternehmen sehr gerne.

Erarbeiten bzw. arbeiten Sie an Ihrer Unternehmenskultur. Entwickeln Sie eine klare DNA und Werte, die jede Krise überstehen bzw. stellen Sie Ihre aktuellen Werte auf den Prüfstand. Machen Sie sich bewusst, worin als Unternehmen Ihre Stärken liegen. Sie werden feststellen, es sind nicht einzelne Produkte, die Sie ausmachen, Ihre Stärken sind viel intensiver und können in Krisenzeiten Ihnen Resilienz geben.

Implementieren Sie Ihre Werte in die Belegschaft als stabiles Fundament, die allen Mitarbeitern Orientierung, Glauben, Zuversicht und Mut geben. Schaffen Sie ein gleiches, gemeinsames Verständnis für Ihre Werte und klären Sie die gegenseitigen Erwartungen mit Ihren Mitarbeitern. Beschäftigen Sie sich mit den Rahmenbedingungen, die erforderlich sind, damit Ihre Werte lebendig werden können. Erläutern Sie Ihren Mitarbeitern was alle gemeinsam mit den Werten gewinnen und geben Sie sich gegenseitig ein Versprechen, dass alle die gemeinsame Werte-Vereinbarung leben und verteidigen.

Gerne unterstützen wir Sie dabei mit unserer sanosense-Werte-Leiter Ihre Widerstandsfähigkeit mit Ihrer Unternehmenskultur zu stärken.

Thomas Heidenreich

Vorstandsvorsitzender