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Digital statt analog? Die Antwort: beides zusammen

Führen Corona und die Erfahrungen mit digitalen Lernmöglichkeiten in Zukunft also dazu, dass wir analoge Trainings gar nicht mehr benötigen und nur noch digital lernen? Ich glaube nicht daran. Vielmehr werden beide Lernformen miteinander kooperieren, weil sich auch dann die besten Lernerfolge erzielen lassen.

Schließlich geht es für Unternehmen und Führungskräfte vor allem darum, neu erworbenes Wissen oder neue Kompetenzen im Alltag anwenden zu können. Gerade dieser Transfer von neu vermittelten Lerninhalten aus einer Trainingsumgebung in den stressigen Arbeitsalltag funktioniert heute nicht gut genug. Viele Teilnehmer fallen sehr schnell wieder in alte Muster und Gewohnheiten zurück und können neue Kompetenzen in der Echtsituation (noch) nicht abrufen. Es fehlt ihnen an der erforderlichen Sicherheit und Stabilität.

Unser Gehirn strebt stets nach Kohärenz. Es geht also um den Energiehaushalt und die Frage, wie viel Energie ist erforderlich, um aus dem Gedächtnis Informationen abrufen zu können, wenn diese benötigt werden. Unser Gedächtnis ist dafür verantwortlich, dass wir

a)     Informationen aufnehmen (rezipieren, lernen)

b)     über einen längeren Zeitraum abspeichern (merken, behalten)

c)     bei Bedarf sie wieder abrufen (reproduzieren)

können.

Lernen ist - ganz allgemein gesprochen - zunächst einmal einfach die Reaktion unseres Gehirns auf Erfahrungen, die wir machen. Erst wenn eine Erfahrung auch tatsächlich eine nachhaltige und langfristige Veränderung im Gehirn bewirkt hat, können wir von Lernen sprechen. 

 

Je öfters wir eine bestimmte Lernerfahrung machen, desto stabiler ist diese Verbindung im Normalfall auch. Und: je mehr Eingangskanäle (Sinneskanäle, Emotionen, motorische Zugänge, usw.) an einer Lernerfahrung beteiligt sind, desto besser wird sie abgespeichert.

Intension von Präsenzveranstaltungen verändert sich

Heute geht es bei Präsenzveranstaltungen mit Führungskräften vor allem um zwei Aspekte:

  • Bereitschaft und Lust auf kontinuierliche Verbesserung und Entwicklung wecken
  • Teilnehmer in Lernerlebnisse bringen – Lernerfahrungen sammeln lassen

 

Bislang bestehen Präsenzveranstaltungen noch zu häufig aus „erinnerten Lernansätzen“. Das bedeutet, es wird versucht Knowhow über Powerpoint-Präsentationen, Definitionen und theoretischen Ansätzen zu vermitteln. Heute weiß man jedoch, dass die intensivsten Lernerfahrungen durch Lernerlebnisse ausgelöst werden. In Trainings sollte daher eine Umgebung für die Teilnehmer kreiert werden, die diesen Raum zum Ausprobieren gibt, an ihre Grenzen bringt und Erfolgserlebnisse verschafft. Sie sollten den Nutzen der neu vermittelten Kompetenzen erkennen und bereit sein, die trainierten Inhalte weiter zu üben.

 

Dieser so wichtige Aspekt des Lernens geht analog am besten. Menschen lernen von Menschen und profitieren von anderen Erfahrungen, Blickwinkeln, Erlebnissen und Impulsen. Nicht immer benötigt es dafür externe Trainer. Auch der interne Austausch unter Führungskollegen, das gemeinsame, auch in kleinen Gruppen, Üben und Trainieren kann bereits sehr erfolgsversprechend sein.