So schlafen Deutschlands Beschäftigte

08. September 2018

80 % der Erwerbstätigen in Deutschland schlafen schlecht. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet unter schweren Schlafstörungen. Seit 2010 stieg die Zahl der Schlafstörungen bei den 35-65jährigen um 66 %. Mit fatalen Folgen für Mitarbeiter und Unternehmen

So schlafen Arbeitnehmer in Deutschland

Stress ist ein Dauerthema in unserer Leistungsgesellschaft. Laut TK-Stressstudie von 2016 fühlen sich sechs von zehn Menschen in Deutschland immer wieder, ein knappes Viertel sogar häufig gestresst. Der Beruf ist Stressfaktor Nummer Eins. Von den Erwerbstätigen stehen drei Viertel unter hohem Druck. Und wer erst einmal im Hamsterrad steckt, kommt da auch nachts so leicht nicht heraus – egal ob es um Beruf oder Privates geht.

Beruflicher und privater Stress bringen jeweils drei von zehn Menschen in Deutschland regelmäßig um den Schlaf. Eindeutig zeigt sich auch, dass starker Stress den Schlaf stört. Von denen, die sich als „dauerhaft erschöpft und gestresst“ bezeichnen, schläft mehr als jeder Zweite deshalb auch schlecht. Gleichzeitig geben die Dauergestressten über-durchschnittlich häufig an, nach der Arbeit noch besonders viel erledigen zu wollen. Jeder Zweite von ihnen kommt abends wegen Freizeitstress nicht früh genug ins Bett. Ein Drittel von ihnen ist abends online und kommt deshalb nicht rechtzeitig ins Bett. Während Männer und Frauen etwa gleich oft beruflichen Stress als Schlafstörer identifizieren, grübeln Frauen nachts noch häufiger auf privaten oder familiären Sorgen herum als Männer. Ein Drittel der Frauen bringt privater Stress um den Schlaf, bei den Männern betrifft dies gerade einmal ein Viertel.

Schichtarbeit und Schlaf

Was insbesondere den Flex-Beschäftigten Probleme bereitet, ist die innere Uhr. Auch wenn die Erfindung der Glühbirne und die mobile Kommunikation dafür sorgen, dass Menschen immer und überall arbeiten können, tickt die innere Uhr des Menschen im Tag-Nacht-Rhythmus. Experten sprechen auch vom circadianen (ungefähr ein Tag) Schrittmacher, der dafür sorgt, dass der Mensch am Tag auf Aktivität und in der Nacht auf Ruhe programmiert ist. Wer nachts arbeiten muss, und das betrifft etwa jeden fünften Schichtarbeiter, liegt über Kreuz mit seinem natürlichen Biorhythmus. Das wirkt sich auch auf die Schlafqualität aus. 42 Prozent der Schichtarbeiter geben an, dass sie Umstellungs- und Schlafprobleme haben, wenn sich ihr Schichtplan ändert. Viele Schichtarbeiterinnen und -arbeiter haben Schwierigkeiten, nachts wach zu bleiben und am Tag zu schlafen. Sie haben teils massive Ein- und Durchschlafstörungen, und ihr Schlaf am Tag ist im Schnitt um zwei Stunden kürzer als der normale Nachtschlaf. Denn der Schlaf am Tag ist störanfälliger und zudem nicht so tief wie der Nachtschlaf.

Auswirkungen für Mitarbeiter und Unternehmen

In der Zeit zwischen zwei und fünf Uhr morgens ist man am schläfrigsten, auch wenn man vielleicht schon jahrelang in der Nachtschicht arbeitet und (vermeintlich) gut damit zurechtkommt. Die Schläfrigkeit aber ist gefährlich. Sie beeinträchtigt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit, Motorik und Stimmung. Zusammen mit dem permanenten Schlafentzug von Nachtschichtarbeiterinnen und -arbeitern erhöht dies die Unfallgefahr.

Welche Folgen hat Schlafmangel für uns:

Kosten durch Schlechtschläfer für Unternehmen

Durchschnittlich erbringen Schlechtschläfer 20 % weniger Leistung als Ausgeschlafene.  Wenn wir bei einem Mitarbeiter von 1.600 Arbeitsstunden pro Jahr ausgehen, so wären 320 Stunden von der Minderleistung betroffen. Angenommen in diesen 320 Stunden steht ein Wertschöpfungsverlust durch die Minderleistung von je 50 € zu Buche, so hat das Unternehmen 16.000 € „im Schlaf“ verloren. Bei 100 Mitarbeitern wären dies im Jahr Wertschöpfungsverluste von 1,6 Mio. €. Die „Wirtschaftswoche“ hat 2016 ermittelt, dass Mitarbeiter in Deutschland, die zu wenig Schlaf bekommen, einen Schaden in Höhe von 57 Mrd. € pro Jahr verursachen. Wie kommt man auf so eine Summe? Zum einen sinkt durch Schlafmangel die Leistungsfähigkeit und Produktivität. Besonders heftig sind die Leistungseinbußen bei Schlafmangel, vor allem, wenn dieser chronisch wird. Studien zeigen, dass Menschen, die häufig weniger als sechs Stunden schlafen, öfter unkonzentriert sind und machen mehr Fehler als solche, die zwischen sieben und acht Stunden geschlafen haben. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Arbeitsergebnis und den Output generell, aber auch auf die Kreativität und somit auch für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Und: Wer unter ständigem Schlafmangel leidet, erkrankt häufiger, denn unter dem Schlafdefizit leidet auch das Immunsystem. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes steigt. Die Statistik zeigt auch, dass chronisch müde Mitarbeiter durchschnittlich mehr Tage im Jahr fehlen als Mitarbeiter, die einen gesunden Schlaf haben. Für Unternehmen bedeutet dies wiederum Kosten. Oft kommen noch psychische Faktoren dazu: Schlafmangel wirkt sich negativ auf das geistige Wohlergehen aus. Übermüdete sind leichter reizbar und reagieren häufig stark emotional. Zugespitzt kann man sogar sagen: Ein Kollege mit Schlafproblemen kann schlecht fürs Betriebsklima sein.

Lösungen für Unternehmen

Um fit für die Herausforderungen einer immer komplexeren und dynamischeren Arbeitswelt zu sein, benötigen Unternehmen „ausgeschlafene“ Mitarbeiter. Welche negativen Folgen Schlafmangel haben kann, haben wir bereits erläutert. Da das Thema „Schlafqualität“ in Deutschland seit Jahren sich verschlechtert, bieten wir Unternehmen und deren Mitarbeiter verschiedene Lösungen an.

Impulsvortrag

Wir informieren Ihre Mitarbeiter über den Mythos Schlaf. Wie viel sollten wir schlafen, was passiert im Schlaf und wie gelingt es uns besser zu schlafen

Schlafhygiene-Parcour

In insgesamt 10 Stationen beantworten und zeigen wir den Mitarbeitern was einen guten Schlaf bedingt. Von den Auswirkungen des Smartphones über die Raumtemperatur bis hin zu den Einschlafritualen machen wir das Thema "Schlaf" anfassbar und verständlich

Schläfrigkeits-Screening

Wir messen, mit einem schnellen, noninvasiven Test die Tagesschläfrigkeit. Spontane und unwillkürliche Schwankungen des Pupillendurchmessers, sog. Schläfrigkeitswellen, sind der Biomarker für Schläfrigkeit.

(Schicht-)Schlaf-Workshops

In Workshops mit kleinen Gruppen erarbeiten wir gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern Lösungen für einen gesünderen Schlaf. Die Themen "Umgang mit Stress" und "Ernährung" spielen hier ebenfalls eine Rolle

Schlaf-Test und individuelles Coaching

Über einen online-Fragebogen ermitteln wir die Schlafqualität Ihrer Mitarbeiter und beraten diese anschließend individuell

Schlafanalyse

Mitarbeiter erhalten einen medizinischen Schlaftracker, der ihr Schlafverhalten exakt aufzeichnet (Dauer und Schlafqualität). Danach werden die Mitarbeiter für 12 Wochen betreut und gecoacht

Thomas Heidenreich

Vorstandsvorsitzender