Serie | Widerstandsfähigkeit von Unternehmen

Resilienz-Analyse für Unternehmen

06. Januar 2021

Weitsichtige Unternehmensentscheider haben erkannt, dass es gerade jetzt wichtig ist, sich mit der Widerstandsfähigkeit ihrer Firma zu beschäftigen und damit auch ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern wahrzunehmen.

Wie können Unternehmen auf diese Situation reagieren? Zunächst einmal gilt es die eigene Widerstandsfähigkeit seiner Organisation herauszufinden. Das passiert auf der einen Seite, gerade aktuell in der Corona-Krise, in Form von wirtschaftlichen Bewertungen von Kennzahlen. In 2020 wurde zwangsläufig vor allem das Thema „Liquidität“ in Firmen in den Mittelpunkt der Beobachtungen gestellt. Viele Mittelstandsunternehmen haben staatliche Hilfen, Förderprogramme, Corona-Soforthilfen und Überbrückungshilfen in Anspruch genommen. Dabei wurde die Widerstandsfähigkeit der Firmen vor allem auf der kaufmännischen Seite, der Finanzseite beleuchtet. Welche Finanzreserven stehen zur Verfügung, wie sieht es mit der Verschuldung aus, wie mit der Kostenstruktur. Kosten wurden, so gut es ging, vermieden, Kurzarbeit beantragt und Investitionen verschoben oder gestrichen. Ebenfalls auf der Liste der Resilienz-Beurteilungen in Firmen stand die Abhängigkeit von anderen Unternehmen, Partnern, Zulieferern usw. Woher werden welche Rohstoffe bezogen? Wie sieht es mit den Lieferketten aus usw.?

Was dabei jedoch fast vollständig vergessen wurde ist die kulturelle und personelle Widerstandsfähigkeit. Denn es sind die Ideen, Motivation, Verhaltensweisen, Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter, die Unternehmen widerstandsfähig machen.

Entscheidend dafür sind vor allem die Umgebungsbedingungen in den Unternehmen, also der Umgang miteinander, die Werte, die Art der Zusammenarbeit und Führung, also die Unternehmenskultur. Einen erheblichen Anteil haben auch die Vision des Unternehmens, also das emotionale Zielbild, weil sie die Mitarbeiter inspiriert und den Zweck der Unternehmensexistenz aufzeigt. Gerade in Krisenzeiten ist dieser Leuchtstern wichtig, weil sich Veränderungen leichter umsetzen lassen, wenn die Mitarbeiter verstehen, dass diese dazu beitragen die Vision zu erfüllen.

Um die Widerstandsfähigkeit auf der personellen, organisatorischen und kulturellen Ebene zu messen, kann ein Instrument benutzt werden, welches ohnehin bereits seit 2014 gesetzlich vorgeschrieben ist: Die psychische Gefährdungsbeurteilung.

Richtig durchgeführt bietet sie Unternehmen neben einer Rechtssicherheit vor allem wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich der eigenen Firmen-Resilienz und Widerstandsfähigkeit der Organisation. Denn sie beschäftigt sich mit allen maßgebenden Einflussgrößen:

  • Erkennbare soziale Faktoren
  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitsinhalte
  • Arbeitsumgebung

 

Erkennbare soziale Faktoren

Hier geht es vor allem um die Qualität der sozialen Interaktion. Der Umgang untereinander ist in Unternehmen die größte Energiequelle und gleichzeitig der größte Energiekiller. Dieser Bereich definiert vor allem, wie wohl und sicher sich Mitarbeiter im Unternehmen fühlen. Wie steht es um die emotionale Stabilität und psychologischen Sicherheit in den einzelnen Teams und im ganzen Unternehmen? Diese Aspekte entscheiden darüber, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, wie offen die Kommunikation ist, wie groß das Engagement und die gegenseitige Unterstützung.

Folgende Aspekte werden in diesem Feld u. a. analysiert:

Welche Werte werden im Unternehmen gelebt?
Wie wird die Kultur von den Mitarbeitern erlebt?
Wie groß ist die Identifikation mit den Unternehmenswerten?
Inwieweit werden die Mitarbeiter wertgeschätzt?
Wie wird mit Fehlern umgegangen? usw.

Wie erleben die Mitarbeiter das Führungsverhalten?
In welcher Regelmäßigkeit und Qualität erfolgt Feedback?
Inwieweit besteht ein echtes Interesse der Führungskraft an den Mitarbeitern?
Wie ist das Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeitern?
Inwieweit sind die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter bekannt?
Inwieweit fördert die Führungskraft die Mitarbeiter?
Wie zufrieden sind die Führungskräfte selbst?
Wo liegen die ausgemachten Führungsstärken, wo gibt es noch Defizite? usw.

Welche Verhaltensweisen treten im Team überwiegend auf? (Jammern vs. Handeln, Schuld vs. Verantwortung, Problem- vs. Lösungsorientierung, Ego vs. Team, usw.)
Wie funktioniert die Zusammenarbeit im Team?
Wie gut sind die Mitarbeiter im Team integriert, respektiert?
Wie steht es um die emotionale Sicherheit und psychologische Stabilität?
Wie werden Konflikte im Team gelöst und mit Unzufriedenheit umgegangen? usw.

Arbeitsorganisation

In diesem Bereich werden Arbeitsabläufe analysiert und die Art und Weise, wie neben der sozialen Interaktion, die Zusammenarbeit in den Teams, abteilungsübergreifend und unternehmensweit funktioniert.

Folgende Aspekte werden in diesem Feld u.a. ermittelt:

Wie werden Informationen im Unternehmen bereitgestellt und geteilt?
Wie gut, transparent und offen wird kommuniziert?
Widersprüchlichkeit und Klarheit? usw.

Welche Regenerationsmöglichkeiten haben die Mitarbeiter?
Wie sieht es mit der Überstundensituation aus? usw.

Wie wird Wissen im Unternehmen geteilt?
Wie werden Kontakte, Netzwerke, Knowhow von älteren Mitarbeitern im Unternehmen weitergegeben?
Wie funktioniert die bereichsübergreifende Zusammenarbeit?

Welche Gestaltungs-, Handlungs- und Entscheidungsspielräume haben die Mitarbeiter?
Inwiefern werden Meinungen von Mitarbeitern eingefordert und angehört?
Inwieweit werden Ideen von Mitarbeitern gefordert und gefördert?
Wie werden Entscheidungen im Unternehmen getroffen? usw.

Wie wird mit Zeitdruck umgegangen?
Welche Störquellen und Unterbrechungen gibt es und wie wird damit umgegangen?
Umgang mit äußeren, unplanbaren Einflüssen? usw.

Arbeitsinhalte

Dieses Feld beschäftigt sich mit den Tätigkeiten der Mitarbeiter. Hintergrund, aus Sicht der psychischen Gefährdungsbeurteilung ist vor allem die Klärung der Fragen nach Über- oder Unterforderung. Im Hinblick auf die Resilienz-Analyse für Unternehmen gibt es darüber hinaus weitere sehr spannende Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, wie z. B.

Wie gut passen Tätigkeitsbereich der Mitarbeiter im Hinblick auf deren Qualifikationen zusammen? Sehen die Mitarbeiter an ihrem Einsatzbereich Sinn in ihrem Handeln und stiften sie Nutzen damit? Wie viel Freude macht ihnen ihre Arbeit?

Wie sehen die Mitarbeiter die Themen „Weiterbildung“, „Lernen“, „Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten“?

Arbeitsumgebung

Diese Rubrik beschäftigt sich, neben der psychischen Arbeitsumgebung der Mitarbeiter auch mit den Arbeitsmitteln sowie der Unternehmensvision und Mission.

Dabei werden folgende Fragen u. a. geklärt:

Wie sehen die physischen Arbeitsbedingungen aus, hinsichtlich
– Platzverhältnissen
– Ordnung und Sauberkeit
– Ergonomie, usw.

Wie zufrieden sind die Mitarbeiter mit den Arbeitsmitteln, z. B. IT-Ausstattung, Werkzeugen, usw.?
Wie sieht die Verfügbarkeit der Arbeitsausstattung aus?
Gibt es Erleichterungen, wie z. B. Hebehilfen, usw.?

Bewertung von Umweltbelastungen, wie Lärm, Temperatur, Staub, Gas, usw.

Inwieweit sind Unternehmensvision und Mission bekannt?
Wie veränderungsbereit sind die Mitarbeiter?
Wie veränderungsfähig die Organisation?
Was sind die USPs des Unternehmens aus Mitarbeitersicht? usw.

Wir sind mit unserer Analyse sogar in der Lage alle Informationen miteinander so zu verknüpfen, dass die Situation nicht nur erkannt, sondern auch verstanden werden kann. Durch die Korrelationen und Kausalitätsüberprüfungen können genaue und gezielte Aussagen zur Widerstandsfähigkeit einzelner Teams und des ganzen Unternehmens getroffen werden. Dabei können sogar Unterscheidungen nach Alterssegmenten, Abteilungen, Standorten oder der Dauer der Betriebszugehörigkeit erkannt werden.

 

Weitsichtige Unternehmensentscheider haben erkannt, dass es gerade jetzt wichtig ist, sich mit der Widerstandsfähigkeit seiner Firma zu beschäftigen und damit auch seine Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern wahrzunehmen. „Wenn ich darauf warten will, bis alles gut ist und dann in dem Moment so eine Analyse durchführe, dann ist es für mich reine Show und zeugt nicht von Selbstbewusstsein. Gerade in schwierigen Phasen zeigt sich die Kultur einer Organisation, das echte Interesse an den Mitarbeitern und das Selbstvertrauen der Geschäftsleitung. Denn ob sie eine Analyse in einer Krisenphase durchführen oder nicht, ändert ja nichts daran, wie sich die Mitarbeiter in so einer Situation fühlen. In den Köpfen sind die schlechten Bewertungen, wenn man das so sagen will, der Mitarbeiter ohnehin vorhanden. In den Momenten die Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, hat viele Vorteile:

1. Man macht die Gedanken der Mitarbeiter sichtbar.

2. Man zeigt den Mitarbeitern, dass man sich ehrlich für sie interessiert.

3. Man erkennt, wo es noch Ressourcen gibt, die man nutzen kann.

4. Es lassen sich Lösungen finden, um das Unternehmen widerstandsfähiger zu machen.

5. Dadurch stärkt man Loyalität und Mitarbeiterbindung“.

Die Folgen der Corona-Pandemie werden Unternehmen noch eine ganze Zeitlang begleiten und weitere Krisen stehen bevor, angefangen bei Dominoeffekten infolge der Corona-Pandemie bis hin zu den vollen Auswirkungen des Klimawandels und anderer Störungen der natürlichen Systeme, auf die wir angewiesen sind.

Widerstandsfähige Unternehmen werden diese Krisen bewältigen. Wie resilient ist Ihre Firma? Welche Aussagen können Sie dazu valide treffen? Machen Sie den Test und erhalten erste Einblicke in die Widerstandsfähigkeit Ihrer Organisation:

 

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

Im zweiten Teil unserer Serie lesen Sie in Kürze, wie die „Unternehmenskultur“ Unternehmen widerstandsfähig macht.

Thomas Heidenreich

Vorstandsvorsitzender