Unternehmenskultur und Organisationsentwicklung

Ist preiswert gleich billig? Wie viel muss gesunde Ernährung eigentlich kosten?

fallback-author Created with Sketch.
Erstellt von Stephan Kortmann

Wie ein facebook-Post vielen Menschen aus der Seele spricht und Aldi in Erklärungsnot bringt

Die Diskussion um die Fleisch-Qualität in deutschen Supermärkten und die damit verbundene artgerechte Haltung der Tiere ist erneut entfacht worden. Diesmal sind es jedoch keine Tierschutzorganisationen, die gegen die Discount-Preise wettern, sondern ein Facebook-Nutzer, der seinem Unmut auf der Unternehmensseite von Aldi Ausdruck verliehen hat.

Vorangegangen war ein zeitlich befristetes Aktionsangebot von Aldi, in welchem 600 Gramm Schweinenackensteak für 1,99 Euro anstatt der üblichen 2,79 Euro angeboten wurde. Anstelle des erwarteten Kundenandrangs erntete Aldi Kritik von Facebook-Nutzer Dominik Boisen für den „billigsten Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde – am meisten die, die sich am wenigsten wehen können: die Tiere“. Über 54.700 Reaktionen erhielt der Post, knapp 17.000 Mal wurde er geteilt und nahezu 3.600 Kommentare weist er aktuell auf. Damit sprach Dominik Boisen vielen Verbrauchern offenbar aus der Seele und brachte Aldi ganz schön in Erklärungsnot. Denn der Discounter meldete sich erst nach knapp eineinhalb Wochen mit einer Stellungnahme zu Wort.

Das mediale Echo und die Zustimmung von unterschiedlichen Seiten zeigen nicht nur, dass der Netz-Gemeinde das Wohl der Tiere am Herzen liegt, sondern offenbart einen wachsenden Trend der letzten Jahre: Besonders jüngere Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz. Sie wollen wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden.

Woher stammt dieser deutlich gesundheitsbewusstere Trend? Die Digitalisierung und Vernetzung bilden die Grundlage für eine neue Gesundheitskultur. Das zumindest geht aus den Ergebnissen der Philips Gesundheitsstudie aus dem Jahr 2015 hervor. Demnach werden aus den ehemals passiven Konsumenten eigenverantwortliche Akteure, für die Vertrauen, Mitbestimmung und Transparenz wichtige Schlüsselfaktoren der Gesundheit sind. Auch die Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012“ des Robert Koch-Instituts zeigt, dass das Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft gestiegen ist. Die Deutschen treiben demnach mehr Sport, ernähren sich bewusster und rauchen weniger als noch vor einigen Jahren. Auch die steigende Anzahl von vegetarischen, veganen und Bio-Gerichten sowie die wachsende Branche der Online-Fitness-Anbieter untermauern diesen Trend.

Die Generation Y stellt die Gesundheitsbranche aber auch die Lebensmittelindustrie also vor völlig neue Herausforderungen. Sie fragen bei Beschwerden zunächst Doktor Google, bevor sie einen Arzt konsultieren. Sie fordern Transparenz und Nachhaltigkeit in der Produktion von Lebensmitteln. Sie bewegen sich häufiger und leben deutlich bewusster. Für Unternehmen jeglicher Branchen ist es daher wichtig, diesen Trend zu erkennen und die veränderten Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter zu berücksichtigen. Andernfalls droht ein medialer Shitstorm, wie es im jüngsten Beispiel bei Aldi der Fall war.