icon_serie Created with Sketch. SERIE | Erhalt der Leistungsfähigkeit

Wie Sie die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter erhalten!

Rente mit 67 oder demnächst doch mit 70? Sind Ihre Mitarbeiter bis dahin auch leistungsfähig? Warum die aktuelle Renten- und Zinspolitik zum Millionengrab für Unternehmen wird, wenn diese nicht handeln und wie es Ihnen gelingt dieses Risiko abzusenken, lesen Sie im mehrteiligen Fachbeitrag "Wie Sie die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter erhalten".

Der demographische Wandel in Deutschland

Wollten 1956 in Deutschland alle über 100jährigen zusammen feiern, so wäre dies noch sehr gut in einer größeren Gastwirtschaft gegangen. Knapp 100 Menschen waren 1956 in Deutschland 100 Jahre alt oder älter. Mittlerweile bräuchte es hierzulande bereits die größte Sporthalle, die Lanxess-Arena in Köln. Bereits 2015 lebten in Deutschland über 17.000 Menschen, die über 100 Jahre alt sind. Der Trend geht weiter, alle 8 Jahre rechnet man mit einer Verdoppelung.

Im Jahr 2017 geborene Mädchen haben bereits eine durchschnittliche Lebenserwartung von 92,8 Jahren. 28 % derer haben die Chance älter als 100 Jahre zu werden. Bei den Jungen sind es immer noch 87,8 Jahre (Quelle: Max-Planck-Institut für demografische Forschung).

Bereits heute sind wir in Deutschland das zweitälteste Land der Erde. Die Lebensmitte liegt aktuell bei bei 46,3 Jahren. Nur Japan mit 46,5 Jahren ist noch älter.

Bedeutung für die Sozialversicherung

1957 gab es in Deutschland eine große Rentenreform. Zu diesem Zeitpunkt lebten die Menschen nach ihrem Renteneintritt noch durchschnittlich 9 Jahre. Das Durchschnittsalter der im Jahr 1957 geborenen Frauen lag bei 70,94 und bei den Männern bei 65,85 Jahren. 2017 beträgt die durchschnittliche Rentenauszahlungsdauer in Deutschland knapp 17 Jahre.

Berücksichtigt man die längere Lebenszeit der Menschen in Deutschland merkt man schnell, dass die durchschnittliche Rentenlaufzeit künftig deutlich zunimmt. Hinzu kommt, dass sich das Verhältnis von Arbeitnehmern, die auf einen Rentner entfallen, zusehends verschlechtert. Waren es 1982 noch 3,5, kamen bereits 2015 nur noch 2,1 Arbeitnehmer auf einen Rentner.

Aber nicht nur die Rentenversicherung ächzt unter diesen Voraussetzungen. Auch die gesetzliche Krankenversicherung sowie die Pflegeversicherung haben zukünftig unter dem demographischen Wandel in Deutschland zu leiden. 

Rente also erst mit 70?

Bereits im Wahlkampf 2017 war immer wieder von der Rente mit 70 zu hören. Auch wenn alle Parteien damit noch vorsichtig umgingen, so gab es doch klare Aussagen, dass eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit erfolgen muss, um die längere Lebenszeit der Menschen finanzieren zu können. Rein mathematisch betrachtet wird es sehr wahrscheinlich sein, dass eine Verlängerung in den nächsten Jahren beschlossen wird. Welche Alternativen gäbe es? Erhöhung der Rentenbeiträge? Wäre dies fair und gerecht für die „Jungen“? Reduktion der Rentenleistung? Bereits jetzt wird stark über Altersarmut geklagt. Alle Menschen in ein System einzahlen lassen? Dann müsste man aus dem einen System auch für alle die Auszahlungen vornehmen.

Längere Lebensarbeitszeit möglich, da die Deutschen auch gesünder alt werden?

Eine Verlängerung der Lebensarbeit sei ja gar nicht dramatisch, so konnte man immer wieder hören, denn die Menschen werden ja ohnehin auch immer gesünder älter. Eine bessere medizinische Versorgung führt dazu, dass die Menschen länger gesund und leistungsfähig bleiben. Da machen ein paar Jahre längere Arbeit ja nichts aus, so der Tenor. Wie sieht es jedoch in der Realität wirklich aus?

 

  • Bei den über 75-Jährigen haben 80 % der Frauen und ¾ der Männer mindestens zwei chronische Erkrankungen
  • 1.650.000 Menschen  erhalten in Deutschland Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
  • Der Work-Ability-Index (WAI), auch Arbeitsbewältigungsindex genannt, ist ein Messinstrument zur Erfassung der Arbeitsfähigkeit von Erwerbstätigen. Dieser sinkt bei der Generation 50+ um ca. 30 %
  • Jeder Vierte geht bereits heute vorzeitig in Ruhestand und bekommt dafür durchschnittlich 7,65 % weniger Rente
  • Insgesamt verbleiben die Deutschen jedoch länger im Arbeitsleben. 2016 war das durchschnittliche Renteneintrittsalter schon bei 64,0 Jahren
  • 12-35 % (stark abweichend von der Branche) der Mitarbeiter von Unternehmen, die wir betreuen, glauben nicht, dass sie ihren derzeitigen Beruf bis zur Regelaltersrente ausüben können

In vielen Berufen ist es sicher nicht möglich bis 70 zu arbeiten. Bereits heute gehen in manchen Branchen Mitarbeiter deutlich früher in Rente, weil sie es gesundheitlich nicht schaffen.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Geschäftsführer und Vorstände berichten, dass es Ihnen durchaus bewusst sei, dass es an manchen Arbeitsplätzen nicht möglich sei, bis 67 oder gar länger zu arbeiten. Hohe körperliche Belastungen, einseitige Beanspruchungen, kaum veränderbare Umweltbelastungen, denen man 35-40 Jahren ausgesetzt ist, führen zu Verschleiß und Abnutzung und zur Abnahme der körperlichen Leistungs-fähigkeit. „Aber dann gehen diese halt früher in Rente und es betrifft uns nicht mehr“, so die Aussage. In der Tat war dies bislang häufig auch so. Mitarbeiter sind in Rente wegen verminderter Erwerbsminderung oder vorzeitiger Altersrente.

Diese Rechnung geht bereits heute für viele Unternehmen nicht mehr auf. Der Grund ist ganz simpel: Mitarbeiter können und wollen sich den früheren Renteneintritt finanziell gar nicht mehr leisten. Monatliche Abschläge bei früherem Renteneintritt, eine Niedrigzinspolitik der EZB, zukünftig vielleicht sogar Strafzinsen auf das ersparte Guthaben, verhindern den früheren Renteneintritt. Wo diese früher vielleicht mit 62 Jahren in Ruhestand gegangen sind, so verweilen die Mitarbeiter nun bis 65, 67 oder gar mal 70 im Unternehmen. Das Verhältnis von Kosten (Gehalt) zu Ertrag (Produktivität) nimmt für Unternehmen rapide ab. Bereits heute sagen viele Mitarbeiter ganz offen: „Natürlich bin ich nicht mehr so leistungsfähig, aber ich habe 35 Jahre meine Knochen für die Firma hingehalten. Jetzt erwarte ich, dass die letzten Jahre das Unternehmen für mich da ist und mich irgendwie durchschleppt.“ Die Folgen: „Millionengrab für die Industrie“. 

Die Rechnung spitzt sich sogar noch weiter zu. Denn, wenn der Mitarbeiter zwar nicht mehr leistungsfähig, aber nach wie vor im Unternehmen verweilt, ist der Platz ja personaltechnisch besetzt. Die zusätzliche Arbeit und Belastung wird auf andere Mitarbeiter mit abgewälzt. Die Folgen: Unzufriedenheit und steigendes Risiko von Fehlzeiten.

Welchen Ausweg Unternehmen einschlagen und wie mögliche Lösungen aussehen können, erfahren Sie im zweiten Teilartikel "Wie Sie dem Millionengrab der Spätrente entfliehen"...